historisches Fechten


Unsere Gruppe ist entstanden mit dem Hintergrund der Rekonstruktion historischer Fechttechniken. Auf diesen Seiten wollen wir einen kurzen Überblick über diese Disziplin geben. einen kurzen Abriss der historischen Zusammenhänge bietet auch das Handout zu unserem Luzerner Workshop:


Für das frühe Mittelalter sind wir zur Rekonstruktion von Kampftechniken auf dramatische Schilderungen (isländische Sagas) und auf bildliche Darstellungen angewiesen (z.B. der Utrecht Psalter, der “Goldene Psalter” von St. Gallen, der Bayeux-“Teppich” usw.).






Auch aus dem Hochmittelalter kennen wir Kampftechnik und Ausrüstung hauptsächlich aus Bildquellen (Maciejowski-Bibel, Manesse-Handschrift). Die sogenannten “Fechtbücher”, eigentliche Anleitungen in verschiedenen Kampftechniken, kommen erst mit dem Spätmittelalter im Mode. Eine Ausnahme ist möglicherweise das “Tower-Fechtbuch”

(MS I.33), vermutlich verfasst von einem Mönch Liutger; es wurde zwischen 1290 und 1350 datiert und kann wohl noch dem Hochmittelalter zugerechnet werden. Es unterrichtet ausschliesslich den Kampf mit Schwert und Faustschild (Buckler). Wir präsentieren eine detailliertere Beschreibung und eine Übersetzung:







Die nächsten Fechtbücher erscheinen erst ab dem späten 14. Jh. mit Beschreibungen der Technik des Meister Liechtenauer. Von Liechtenauer selber sind keine Schriften erhalten, aber verschiedene Manuskripte berufen sich auf ihn, als erstes zwischen allerlei Rezepten und Beschwörungsformeln das dem Pfaff Doebringer zugeschriebene (unbebilderte) die Nürnberger Handschrift MS 3227a (früher dem Pfaffen Hanko Doebringer zugeschrieben; Doebringer ist aber nur einer (neben Andres Jud, Jost von der Nissen und Niclas Preuss) der zusätzlich, als Liechtenauer unterlegen erwähnten Fechtmeister). Schon Liechtenauer gibt einen Ratschlag, den sich jeder Schaufechter besonders zu herzen nehmen sollte,





“Haw nicht an swerte zonder stets der blosze werte.”


Im 15. Jh. geben dann die illustrierten Fechtbücher von Talhoffer und anderen ein viel klareres Bild der Techniken.


Das Schwert hat sich in dieser Zeit schon deutlich von der mittelalterlichen Hiebwaffe wegentwickelt, ein Prozess, der vom einhändig geführten Schwert über das Rapier ins moderne Sportfechten mündet; das zweihändig geführte Langschwert überschreitet seinen Zenit im 15. Jh. und endet im 16. Jh. als Prunk- und Prahlwaffe im riesigen Bidenhänder der "Doppelsöldner".







Die ausführlichsten Fechtbücher werden aber im 16. Jh. zusammengestellt, auf der Grundlage älterer Handschriften, und im Umfeld der Fechtbruderschaften. Von Paulus Hector Mair (ca. 1517-1579) sind sieben Bände mit Fechtanleitungen erhalten.

In den 1990er Jahren erlebte die Rekonstruktion der alten Fechttechniken einen Aufschwung, und seit einigen Jahren erscheinen zunehmend gefestigte Interpretationen, als Beispiel sei die “Langes Schwert” DVD von Ochs erwähnt. Vereine, die diese als Sportart oder Kampfkunst trainieren sind lose unter HEMAC gruppiert (welche auch jährlich ein internationales Treffen in Dijon organisiert).

zuletzt geändert: 16.01.2007