Schaukampf
Schaukampf ist zunächst jegliches für Zuschauer inszeniertes Kampfgebaren, choreographiert oder unchoreograpiert, unblutig (Theater) oder blutig (Gladiatoren). Öffentliche Fechtspektakel gehen auf das Mittelalter zurück, mit den “leychmeistern” (leichen “hüpfen, tanzen; betrügen”) und dem “fechten zu schimpf” der Nürnberger Handschrift. Auch das eigentliche Bühnenfechten (Theaterfechten, Szenisches Fechten) beginnt sich im mittelalterlichen Theater zu entwickeln. Es ist schwierig, nachzuweisen, inwiefern Kampfszenen in mittelalterlichen Mysterienspielen vorkamen: Das spätmittelalterliche “The Second Shepherds’ Play” enthält jedenfalls eine Szene, in der ein Darsteller in einen Sack gesteckt und verprügelt wird, und “The Castle of Perseverance” von etwa 1440 hat Szenen, in denen diverse Allegorien gegeneinander fechten. Aufführungen von “Robin Hood” waren im England des späten 15. Jh. beliebt, und 1492 wurden Marktbesucher verklagt, die als Robin Hood und seine Bande verkleidet Radau machten. Hauptsächlich fanden aber wohl Schaukämpfe im Mittelalter im Umfeld der Fechtschulen statt. Der Begriff Schwank erhält seine Bedeutung von “Unfug, lustiger Streich” im 15. Jh. in diesem Zusammenhang, aus dem mittelhochdeutschen durchaus ernsthaften swanc “Schwertstreich”.
Bühnenfechten erlebt eine Blüte im Elisabethanischen Drama (Shakespeare), und entwickelt sich zum klassischen Bestandteil einer Schauspielerausbildung, seit den 1970ern gibt es auch speziell ausgebildete “Bühnenfechtmeister” bzw. Bühnenkampfchoreographen.
Der heutige “Mittelalterliche Schaukampf” als eigenständiges Phänomen steht in einem Spannungsfeld verschiedener Einflüsse. Die ARMA unterscheidet zwischen “Theatrical Fencing” (szenisches Fechten, Bühnenfechten, Theaterfechten) und “Arranged Performance Fighting” (Kampfdemonstration) zur Erklärung historischer Kampftechniken ohne dramatische Einbettung, und daneben eine diffuse Kategorie “Mock-Fighting & Martial Sports”, worunter alle möglichen Arten von unchoreographierten Kämpfen nach gewissen Regel-Systemen. “Schaukampf” wird von allen drei Kategorien überlagert: er hat seine Wurzeln in den USA der 1960er, mit den “Renaissance fairs” und der Bildung der “Society for Creative Anachronism”, verbindet sich seit den 1970ern mit Elementen von “Live-Rollenspiel”, und seit den 1980ern mit “Reenactment-Schlachten” (z.B. Battle of Hastings seit 1984). In den 1980ern entwickeln sich auch erste Vorstufen in Kontinentaleuropa, inspiriert von Filmen wie Excalibur (1981), Conan der Barbar (1982) oder Highlander (1986). Aus den 1980ern stammt auch die Figur von Hermann Zu (aktiv allerdings bis und mit 2007), ein “Schwertmystiker”, von dem man bis heute nicht weiss, ob es sich um eine groteske Parodie, um eine ernstlich verwirrte Person, oder ein allmähliches Abgleiten von der einen in die andere Kategorie handelt.
In den 1990ern werden diese von historischem Hintergrund recht unbelasteten Ansätze nach und nach durchsetzt mit Elementen des historischen Fechtens, in den USA mit der Gründung von der HACA (1991); in Europa kommt aber diese Tendenz gegen Ende des Jahrzehnts zum Tragen: nachhaltigen Einfluss nahm in Deutschland die “VS-Books” Ausgabe von 1998 von Talhoffers Manuskript von 1467, und für etliche Jahre konnte man die Aussage deutscher Schaukämpfer, sie täten “nach Talhoffer fechten” dahingehend interpretieren, dass sie im Besitz dieses Taschenbuchs seien.
Im Slawischen Sprachraum, besonders in Tschechien und Slowakien, aber auch in Polen und Russland, beginnen Reenactment-Schlachten und Schaukampf-Darbietungen auch in den 1980ern, oft in der Form von “Bruderschaften” mit Elementen von Geheimbünden. Mit Peter Kozas “Magisterium“ besteht dort seit 1991 eine “Fechtschule” die historische Elemente mit Schaukampf verbindet.
In den 1990er Jahren entwickeln sich daneben diverse Regeln zum “Reenactment-Freikampf” (”Codex Belli“), etwa mit Colin Richards, der seit 1989 als Kampfinstruktor von Regia Anglorum fungierte. Das erhöhte Interesse an historisch belegbaren Kampfmethoden wirkt auf das Reenactment zurück, und führt auch dort zu Bemühungen um grössere Realitätsnähe, etwa mit dem “Huscarl“-System von Alban Depper (seit 1999). Die mittleren 90er sind auch die Ursprungszeit der klassischen “Schaukampfgruppen”, wie z.B. Frank und Frey in Deutschland (1994) oder Abbaca in Tschechien (1995) .
Vereine für historisches Fechten existieren im deutschsprachigen Raum seit 1998, und in den frühen 2000ern konnte man im “mittelalterlichen Schaukampf” durchaus einerseits ein steigendes historisches Bewusstsein, andererseits eine vermehrte Beschäftigung mit klassischem Bühnenkampf verfolgen. Die Gründung von Dreynschlag (1998), NibelungThorpe (2000) und später auch Freywild (2002) gehören in diese Phase. Seit 2004 gibt es mit “Furor et Ferrum” und “Stage Warriors” auch Versuche, die Kombination von Schau, Fechterischem Können und historischer Korrektheit im direkten Wettbewerb zu vergleichen.
Quellen und Links
Wikipedia: combat reenactment
Szenisches Fechten (Michael Hewer)
Traditioneller Schaukampf für Anfänger nach Dreynschlag (DVD)
Wettbewerbe
Furor et Ferrum, Pavone Canavese
Stage Warriors, Osterburken
Gruppen
Dreynschlag
Abbaca Hradec Králové
EMCA Gewinner Furor et Ferrum 2004 und 2005
Fortis Poprad Gewinner Furor et Ferrum 2006
Badische Löwenfechter
Würzburger Greifenpack
Frank und Frey
Nibelungthorpe
zuletzt geändert: 20.03.2007